Mittwoch, 14. Dezember 2011

#20 Von durchzechten Nächten und blöden Blessuren

Aua. Dies kleine Wort beschreibt momentan ganz gut die Gesamtsituation. Nachdem meine Hüfte ,nachdem ich vorletzte Woche vom Pferd gefallen war, beinahe nicht mehr wehtut und mein Knie, nachdem ich beim Joggen im Wald über eine Wurzel gestolpert bin, nur noch ab und zu zwackt, dachte sich das liebe Schicksal wohl, ach, die hat noch nicht genug Schmerzen, lassen wir sie mal die Treppe herunterfallen. Der blaue Fleck den ich, neben einem vermutlich schon wieder gebrochenen Zeh, von dieser kleinen spaßigen Unterbrechung davongetragen habe, ist so tiefblaulilagrün, schwärzer gehts gar nicht. Doch glücklicherweise bin ich mit meinen Blessuren nicht alleine, denn B. hat's heute morgen im Regen beim Überqueren der kleinen schiefen Brücke auf die andere Seite des Koppel sowas von hingelegt, dass ihr davon immer noch alles weh tut und ihr ganz schummrig im Kopf ist. Morgen machen wir hier ein Lazarett auf.

Aber nun zu etwas erfreulicherem: Am Wochenende war ich in Bordeaux. Ich fuhr Freitag mit den kleinen im Clio dort hoch, ging mit ihnen in einem Vorort verloren, wurde von Tante Sophie wiedergefunden und sicher ins Trockene gebracht. Eigentlich, so war der Plan, hätte ich mich morgens und abends um die Mädels kümmern müssen, doch Sophie meinte, ich solle mal meine Freiheit und die Großstadt genießen gehen und übernahm das Kinderbetreuungs-Ruder. Somit hatte ich den kompletten Samstag und Sonntag frei. Um meiner Einsamkeit vorzubeugen hatte ich im Vorhinein bereits via Couchsurfing einen netten Stadtführer auserkoren. Bastien (23), mit dem ich mich nach einem Teil meiner Weihnachtseinkäufe traf, entsprach ganz genau meinen Anforderungen an einen guten Guide und innerhalb eines Nachmittags wurden wir Freunde. Als er mir anbot, die Nacht mit ihm und seinen Freunden durchzufeiern, sagte ich natürlich nicht nein, sondern OUI!!! So kam es also, dass ich am nächsten Morgen um halb 8 die Treppe zu meinem Gästezimmer empor schlich, um endlich schlafen zu gehen. Eine immer wieder aufs Neue faszinierende Zeitzonen-Überschreitung: Man geht schlafen, wenn andere gerade aufstehen (in diesem Fall Maud und ihr Cousin Mathieu, die zwar ordentlich Radauz machten, doch mein Schlaf war stärker.).....ach, wie mir das gefehlt hatte! Den Sonntag verbrachte ich also bis 15 Uhr im Bett. Dann stand ich auf, packte alle Sachen zusammen, spätstückte einen Joghurt (mehr hielt mein Magen noch nicht aus) und machte mich im Auto auf den Weg in die Innenstadt, da ich noch ein paar Geschenke besorgen wollte... Großer Fehler. Merke: Fahre niemals verkatert sonntags nachmittags in der Vorweihnachtszeit im Platzregen in eine fremde Stadt. Niemals. Obwohl der Weg von Le Bouscat bis ins Zentrum nur etwa 10 min dauert, brauchte ich für die Strecke zum Kaufhaus ganze 40 min!!! Wäre ich gelaufen, hätte ich wohl nur die Hälfte der Zeit gebraucht. Eben erwähnter Platzregen verdarb mir dann auch jegliche Laune, nochmal auf den an sich netten Weihnachtsmarkt zu gehen und ich trat mit einem Anti-Kater-Sandwich und Kaffee to go bewaffnet meine einsame Heimreise an... die jedoch 10 min später fälschlicherweise auf der anderen Seite der Garonne zunächst unterbrochen werden musste. Es hatte so stark geregnet, dass ich außer den Rücklichtern des vorderen Fahrzeugs nichts erkennen, geschweige denn Schilder lesen konnte. Ich war also dem grünen Schild ( grün = Autobahn = richtig??) gefolgt, ohne lesen zu können, dass mich dies nach Bergerac anstatt nach Bayonne dirigierte. Glücklicherweise wurde ich dank der Garonne früh genug misstrauisch (die war doch auf der anderen Seite???), um mit meinen letzten Cent Guthaben B. um Hilfe bitten zu können. Die erörterte mir, auf jeden Fall dem Schild mit der Aufschrift "Rocade" zu folgen, das sei nämlich die Bezeichnung für den Autobahnring, der mich schließlich auf die A63 Richtung Süden führen sollte und dies letzten Endes auch tat. Dank starker Nerven, noch stärkerem Kaffee, laut singender Rihanna und Anti-Kater-Sandwich überlebte ich schließlich auch dieses Abenteuer und erreichte 2 Stunden später (!!!) völlig erledigt das traute Heim im Wald.

Keine Kommentare: