Donnerstag, 1. Dezember 2011

#19 Spaß mit Schwiegermuttern

Heute kamen B. und F. von ihrer 5tägigen Paris-Reise zurück, mit im Gepäck einen Haufen kleiner Geschenke für alle, ja sogar für mich! Ich bekam einen echten Pashmina-Schal (Kaschmir und Seide!) in einem grellblau-hellblauen Farbverlauf, der sehr gut zu meinen Haaren passt und ein kleines rosafarbenes Schminktäschchen, das wunderbar kitschig und hübsch ist! Seitdem weiß ich, dass Kitsch auf französisch le kitsch heißt. Die beiden Kleinen bekamen sehr hübsche, glitzernde und schillernde Mädchenkleidung, Flore hat jetzt ein goldglänzendes Kleidchen für Weihnachten und ein komplett mit Pailletten besticktes Jäckchen, einfach zuckersüß! Diese "Kein Vergnügen sondern hauptsächlich zu beruflichen Zwecken"-Reise hatte für mich zur Folge, dass ich alleine die Kinder zu hüten hatte. Grundsätzlich kein Problem, mit meiner Kinderfreizeit-Erfahrung war ich eigentlich vor allen Eventualitäten gefeit, doch einen Faktor hatte ich nicht mit eingerechnet: die Schwiegermutter, die sich "zu meiner Unterstützung und damit ich nachts alleine keine Angst habe" bei uns vorübergehend einquartiert hatte. Samstag war sehr gemütlich, da war sie aber auch noch nicht da. Wir machten einen langen langsamen Ausritt, ich auf Folie, Eugénie mit Flore auf Boléro und Maud wie üblich auf Klein-Dragon. Alles klappte prima, wir waren mit allem Notwendigen gut im Zeitplan, die Kinder hielten brav ihre sieste, Eugénie war zur Abwechslung mal hilfsbereit, wir kamen insgesamt sehr gut klar und bis auf eine stark blutende Kindernase (Flore hatte Mauds Knie im Spiel abgekriegt) gab es keine spannenden Vorkommnisse. Bis Sonntag nachmittag dann, natürlich früher als angekündigt, Schwiegermutter Brigitte eintrudelte. Und von da an ging es bergab. Sie hatte überall etwas zu bemängeln, wieso denn das nicht aufgeräumt sei (weil die Kinder da gerade noch mit gespielt hatten...), wieso die beiden nicht zum Bonjour-Sagen erschienen seien ( weil sie Mittagsschlaf hielten...) etc. Sie machte ein unsachgemäßes Kaminfeuer, ohne jedoch den Abzug zu öffnen, sodass das ganze Haus noch bis Montag Mittag einer riesigen Räucherkammer glich. Wenn ich, zeitplangerecht, etwas anordnete, widersprach sie mir und machte alles nach eigenem Gutdünken. So kam es also, dass die Pilze angebrannt, das Abendessen für die Kleinen kalt und die beiden erst eineinhalb Stunden später als üblich im Bett waren. Es war sicher nett gemeint, als sie sagte, ich solle mich jetzt einfach mal um nichts kümmern, sie übernehme den kompletten Sonntag Abend, doch als ich noch um 10 Uhr abends in der Küche stand um abzuspülen und aufzuräumen, kam mir diese angebliche Hilfe alles in allem doch eher, nunja, verfehlt vor.
Montag war ich dann glücklicherweise mit Marie-Claire alleine, bis uns abends wieder Brigitte mit ihrer zwar durchaus freundlichen und liebenswerten doch zeitintensiven und, was mich betrifft, nervenaufreibenden Gesellschaft beglückte. Ein Gutes hatte das allerdings doch: So konnte ich am Dienstag grasse mat machen, d.h. ausschlafen, da sie angeboten hatte, die gesamte Morgenorganisation zu übernehmen. Granite, die kleine Katze, war da jedoch anderer Meinung und fand, ich hätte um 7:15 gefälligst aufzuwachen und ihn in mein Bett zu lassen, wo er dann ausgiebigste Körperpflege betrieb. Bei sich und vor allem bei mir. Mit frisch geleckter Nase, Ohren und Haaren schmiss ich ihn dann wieder raus, nur um mir die Zeit bis zum Klingeln meines Weckers sein Geweine anzuhören. Nach einer zweiten Dusche besorgte ich in Castets ein Baguette und machte mich auf den Weg nach Dax, da ich mit Gillian zum Frühstück verabredet war. Dass ich etwas Verspätung hatte, machte gar nichts, denn Gilly stieg gerade erst aus der Dusche als ich klingelte. Zusammen mit einer weiteren Gillian frühstücken wir ausgiebig und fuhren dann zu Eugénies Schule, um sie zum Shopping mitzunehmen, ach ich bin einfach so ein nettes Au-Pair! Nach 3 Stunden war ich jedoch froh, sie wieder vor ihrem Internat absetzen zu können. Eigentlich hatte ich eine sehr lange Einkaufsliste, doch Eugénies intensive Suche nach einem schwarzen Eyeliner und einem Lippenstift für ihr Inderinnen-Kostüm vertrieben mir jegliche Shopping-Freude. Glücklicherweise traf ich Gillian und Gillian dann in einem kleinen Café und die Chai-Latte weckte meine Lebensgeister zumindest insofern wieder, dass ich mich noch auf einen kleinen Ausflug in einen Secondhand-Shop jenseits der Brücke einließ. Meine Einkaufsbilanz verlief sich letzten Endes auf einen warmen Pullover von Banana Republic für 4 Euro, rote Haus- und grüne Handschuhe und zweimal Parkplatzgebühren. Dank Gillians Kontaktfreude kenne ich jetzt Lucie aus Dax, Rafael, der in der Daxer Rugbymannschaft spielt, Cindy aus Südafrika und Page aus Amerika, die auch als Assistant teacher hier ist. Hoffentlich kann ich Samstag abend, wenn die Mädels ins Bett gebracht sind, nach Dax fahren, um mit meinen neuen Freundinnen mal ein bisschen tanzen zu gehen.
Drückt mir die Daumen, dass dann auch endlich mal der von euch prophezeite schnuckelige Franzose aufkreuzt ;)

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