Sonntag, 16. Oktober 2011

#9 Wie aus einem kleinen Spaziergang eine 4-stündige Wanderung wurde

Freitag war wie immer alles sehr hektisch, denn man wollte das Wochenende im Ferienhaus in Cap Ferret verbringen und dafür gibt es immer so viel vorzubereiten! Marie-Claire stand den ganzen Nachmittag in der Küche, schnippelte Kartoffeln, rührte Soßen und briet irgendetwas. Als ich sie an den Crumble erinnerte, hätte sie mich beinahe mit dem Kochlöffel erschlagen, doch ich bot ihr an, wenigstens die Äpfel dafür zu schälen und zu schneiden, worüber sie sehr glücklich schien. Organisatorische Probleme gab es diesmal keine und so konnten wir bereits um 7 das Haus verlassen. Ich musste wieder mal in der Mitte hinten zwischen Maud und Flore sitzen, um den Geräuschpegel niedrig zu halten, was mir dank Mutters Buch und meiner beruhigenden Aura auch mühelos gelang.

Faszinierend, dieses Buch. Flore hatte das ganze Wochenende nicht einen einzigen Wutanfall!

Samstag war dann ganz gemütlich. Spätes Frühstück mit Café au Lait, tartines und chocolatines, anschließend Familien-Boot-Ausflug (ohne Eugénie, dafür diesmal mit Olà, der das ganze Unternehmen nicht allzu geheuer war...) zu einer kleinen Insel aus Sand und stacheligen Sträuchern, mit romantischen Fotos im Herbstlicht und einer sich im Sand wälzenden Olà, die nur mit vereinten Kräften wieder ins Boot zu kriegen war. Abends gab es "Pizza" für die Kinder und viele Flore-Tränen beim DVD-Anschaun (da das Einhorn dann doch lieber in seiner Welt bleiben wollte anstatt mit dem kleinen Jungen glücklich zu werden).

Am Sonntag, meinem freien Tag, schnappte ich mir nach dem Frühstück den Hund und ein kleines Picknick und machte mich auf den Weg zum Ozean, der laut Wegbeschreibung B.'s nur 20 min zu Fuß entfernt sein sollte. Angeblich ging es immer geradeaus, nur leider endete unser kleiner Spaziergang zum Ozean erst 2 Stunden später, nachdem wir eine Riesendüne, die aber keine war, erklommen hatten, von einem Wegweiser in die falsche Richtung geschickt worden und ewig durch verlassene Waldstücke geirrt waren. Dafür war die Freude über das Meeresrauschen und die schnuckeligen Surfer umso größer und wir belohnten uns mit einem ausgiebigen Mittagsschläfchen im Sand, Olà eignet sich hervorragend als Kopfkissen. Um beim Rückweg nichts falsch zu machen, brachen wir extra früh auf, hielten uns streng an die Dünen und den Sonnenstand und erreichten, natürlich, nach 5 min genau die Weggabelung, an der wir auf dem Hinweg auch schonmal waren... doch damit nicht genug. Mitten im Wald waren da plötzlich 2 Wege, wo vorher nur einer war (da bin ich sicher!) und wir entschieden uns, natürlich, für den, der uns von unserem Ziel "Ferienhaus" ungefähr 2 km weit entfernte. "Streng geraudeaus" führte uns dann an den Ortsanfang von Cap Ferret, wo ich für links, Olà jedoch für rechts war und zu unserem Glück auch nicht umzustimmen war. So war es letztlich die gute Orientierung des Hundes, die uns, völlig erschöpft aber glücklich, nach Hause brachte. Überpünktlich, dank meiner Voraussicht.
Für die Familie war es "eine lange Wanderung". Nur Marie-Claire erzählte ich am Montag, dass wir uns verirrt hatten. Leider wusste sie nicht, dass das geheim bleiben sollte und so wissen jetzt alle, dass mein Orientierungssinn manchmal etwas hakt.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

wunderbar deine geschichten :) wirklich eine seifenoper :) aber es fehlt der verkehr^^