Donnerstag, 13. Oktober 2011

#8 Kampf der Trotzphase!

Donnerstag bekam ich zum zweiten Mal Post. Es war ein kleines Päckchen von Mama und enthielt einen GU-Erziehungsratgeber: "Gelassen durch die Trotzphase". Vor Freude und Vergnügen brach ich in schallendes Gelächter aus, sodass B. mich fragte, was denn so lustiges in meiner Post war. Als ich es ihr erzählt hatte, war sie Feuer und Flamme für die guten Tipps, die dieses Buch verspricht. Jedenfalls habe ich jetzt eine neue Aufgabe: die wichtigsten Teile zu übersetzen.
Nachmittags kamen Joelle (zum bügeln) und Marie-Claire (für den Haushalt) und unterhielten sich mit B. in der Vorratskammer. Als ich hinzukam, herrschte dort eine ausgelassene, beinah alberne Stimmung. Joelle zog M.-C. damit auf, dass sie bald in den Urlaub führe, woraufhin diese antwortete, den habe sie schon gehabt. J: Ja, aber mit deinem Mann...das war ja dann kein Urlaub. M.-C.: Und du fährst wohl alleine? J: Ich fahre niemals mit meinem Mann in den Urlaub. Schließlich will ich den ja genießen. Ich nehme diesmal meine Cousine mit. M.-C.: Das würde meiner gar nicht zulassen. J: Hat der Angst, dass du mit dem nächstbesten Kellner durchbrennst? Dies so in etwa widergegeben. Der Rest der Konversation ging leider in unser aller Gelächter unter. Ich fühlte mich wie in einer französischen Seifenoper. Nur dass dort das Gespräch vermutlich ohne die Hausherrin stattgefunden hätte. Es herrscht, wie unschwer zu erkennen, eine recht gute Stimmung im Hause Petges-DeMalet.
Apropos DeMalet, das ist der Mädchenname von B. Jeder, der sich mit Rotwein auskennt, sollte davon schon mal gehört haben (behaupte ich mal ganz großspurig, ohne selbst irgendeine Ahnung zu haben). Das Weingut inklusive Schloss gehört ihrem Vater, den wir in 15 Tagen, also in den Herbstferien, besuchen werden. Der Herr mag (merkwürdigerweise) keine Kinder, es wird für mich also eine 24-h-Kinder zum Schweigen bringen-Woche. Aber gut, man kann nicht alles haben.
Seit ich von dem Ultimatum weiß, versuche ich, mich auf allen Gebieten unentbehrlich zu machen. Ich bin top organisiert, habe die Dinge bereits erledigt, bevor B. darauf kommt, sie mir aufzutragen, übernehme die ihr so lästige Hausaufgabenbetreuung von Maud sowie den Einkauf und bin bei allem dennoch stets gut gelaunt. Naja, zumindest ansatzweise ist das so.

Ich bin jetzt exakt seit 5 Wochen hier und habe bereits einiges beobachtet: B. pflaumt ihren Ehemann ständig an und gibt ihm mehr als deutlich zu verstehen, dass er zu dumm für die Welt sei. Er wiederum ist sehr sehr nett, geduldig, ruhig, gibt oft klein bei und wenn es zu einer B.-F.-Diskussion kommt, heißt es am Ende oft, jaja Schatz, du hast natürlich wie immer Recht. Was die Kindererziehung betrifft, wundert mich nicht mehr sehr viel. Mich wundert es nicht, dass Flore und Maud ständig alle anderen und sich gegenseitig unterbrechen, die Erwachsenen tun es ja auch. Mich wundert es nicht, dass Maud Flore zur Strafe haut, die Erwachsenen tun es ja auch (nie sehr fest, aber eindrucksvoll). Mich wundert es nicht, dass Maud ständig zu Flore sagt, sie sei débile, dumm, schließlich sagt das die Mutter ja auch immer. Tu es nul! Tu es débile, ou quoi? Tu es idiote! Tu fais n'importe quoi là! sind die Standardbeleidigungen. Klar hat man es als Außenstehender leicht, sich ein Urteil über den Erziehungsstil anderer Leute zu erlauben, aber wie heißt es so schön: ES HAT KEINEN ZWECK, KINDER ZU ERZIEHEN. SIE MACHEN EINEM JA DOCH ALLES NACH.

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