Also Mittwoch. Keine Schule. Keine Freizeit. Keine Ruhe. Dachte ich. Wir frühstückten etwas später als üblich. Am Abend vorher war B. ausgegangen und als ich Francois fragte, wann ich am nächsten Morgen aufstehen sollte, sagte er ich könne getrost ausschlafen, so lange ich wollte. Dass ich das dann auch tat wurde mir allerdings am Mittwoch Morgen von B. als großer Fehler erklärt, denn wir hatten - oh Gott schon so spät!- um 10 Uhr für die Reitstunde mit der professionellen Reitlehrerin Christine komplett fertig gesattelt auf dem Reitplatz zu stehen. In heller Panik rannte ich also zurück in meine Kammer, zog meine Reitsachen an und schlang in Windeseile mein Marmeladetoast herunter. Als ich damit fertig war und endlich wieder atmete, teilte mir B. freundlicherweise mit, dass ich mich ja gar nicht so beeilen müsse, es sei schließlich erst 9 Uhr und sowieso sei Maud mit dem Pony vor uns dran. Wir hätten also noch mindestens eine Stunde Zeit um GEMÜTLICH zu frühstücken.
Die Reitstunde verlief gut. Kawa war gut drauf, etwas müde zwar, wie immer, aber brav. Meine erste richtige Reitstunde seit ca 4 Jahren. C. korrigierte meinen Sitz, meine Bein- und Handhaltung und so weiter. Sie brachte mir einige tolle Verrenkungen bei, die so tolle Namen wie "épaule dedans" haben. Nachdem die Kiddies ihren Mittagsschlaf gehalten hatten, ging es ab in den Pool! Nirgends lassen sich sie letzten Sonnenstrahlen besser einfangen als in einem 26 Grad warmen Schwimmbecken mit zwei glücklich quietschenden Kindern. Und auch wenn das ironisch klingen mag, der Mittwoch war letzten Endes doch recht schön.
Donnerstag war dann aber glücklicherweise wieder Schule. B. hatte sich vorgenommen, mir auf dem Rückweg mal eben schnell das Autofahren beizubringen, deshalb fuhren wir ausnahmsweise mal mit dem Clio nach Castets. Mit an Bord war natürlich auch die Katze. Die durfte ich auf dem Hinweg festhalten. Für alle, die das noch nicht wussten: Ich mag Katzen. Wenn sie mindestens einen Meter von mir entfernt irgendwo friedlich schlafen. Manchmal ein bisschen kraulen ist auch noch drin. Aber wenn es darum geht, ein hibbeliges Katzenkind, das sich mit seinen scharfen Krallen überall festhält, auf einer Holperpiste in einem kleinen Auto auf dem Schoß festzuhalten, das ist dann doch eher weniger mein Fall. Half aber nichts.
Schlimmer als das war allerdings das Selber-Fahren-Müssen. B. meinte ich solle mal jetzt gleich losfahren, ich könne ja schließlich Auto fahren. Ohne Bremscheck, ohne Kupplungsübungen ging es direkt auf die Landstraße, na dann fahr mal 90 Nele, du hast ja deinen Schein bestanden, also kannst du das. Dass der Clio sich aber ganz anders fährt als die Mercedes A-Klasse, dass ich seit meiner Prüfung außer einem alten Traktor auf einer Wiese nicht mehr gefahren bin und dass ich grundsätzlich eher zu Angst und Übelkeit im Auto neige, schien B. nicht wirklich zu realisieren. Vor lauter Nervosität konnte ich das auf französisch auch nur schwer artikulieren. Gut, fremdes Land, andere Schilder, andere Autofahrer, fremdes Auto, nervöse Begleitung die viel zu schnell spricht, nervendes Katzenkind neben mir und blendendes Morgenlicht waren definitiv weitere Gründe für mein katastrophales Fahrverhalten. Doch der Hauptgrund weshalb B. so genervt ist, war, dass ich noch keine Autofahr-Erfahrung habe. Aha. Als hätte sie das nicht vorher gewusst. Schließlich habe ich extra wegen dem Au-Pair-Ding meinen Führerschein innerhalb 3 Wochen ruckizucki durchgezogen. Man muss doch nicht meinen, ich sei völlig unfähig, nur weil mir die Erfahrung fehlt??!!
Morgen soll ich mit Francois üben, der ist viel gelassener als B. Hoffen wir das Beste für die Nerven aller Beteiligten.
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