Nachdem die beiden Prinzessinnen in der école abgeliefert waren, entschied B. dass sie ja auch noch wann anders den Stapel von drei Wochen abarbeiten könne und stattdessen lieber eine Runde mit mir zu reiten. Also jede auf einem Pferd natürlich. Ganz im Gegensatz zu mir war sie hellauf von meinen Reitkünsten begeistert, ich hingegen hauptsächlich von Kawa, meinem Pferd.
Da Marie-Claire, die Hausfee, bereits alles erledigt hatte, blieb genügend Zeit für mich, auch noch das dicke Pony Folie zu bewegen. Ich ritt sie ohne Sattel und später auch ohne Gebiss in der Trense. Sie wurde mir als nicht sehr vertrauenswürdiges, eigensinniges Pony vorgestellt. Dies kann ich jetzt allerdings widerlegen. Sobald ich das Gebiss entfernt hatte, lockerte sie sich, hörte auf mit dem Kopf zu schlagen und ging brav und ruhig vorwärts, sogar im Trab. B. konnte nicht fassen, dass dieses Pony sich so ohne alles einwandfrei reiten lässt. Sie sah ein, dass man ja schonmal viel früher auf die Idee hätte kommen können, dass sie das Gebiss stört.
So war es denn auch kein Problem für Folie, die kleine Flore nach der Schule sanft und ohne Mucken durch den Wald zu tragen.
Abends, nach dem gebadet und gegessen worden war, beschloss Maud, mich endlich einzuschulen. So war ich dann die Neue in der Klasse, konnte weder lesen noch schreiben, geschweige denn widersprechen. Maud war eine sehr strenge Lehrerin, gnadenlos und fordernd. Widerstand war zwecklos.
Dienstag war der Beginn meines geregelten Tagesablaufs. 7:30 aufstehen, 7:45 Kids wecken, waschen, anziehen, ihnen Frühstück geben und dann um 8:45 ab in die Schule. Eigentlich hätte ich dann mit Marie-Claire den Haushalt machen sollen, doch B. beschloss, noch "schnell" ein paar "Kleinigkeiten" im Supermarkt zu besorgen und die Kinder in der Garderie anzumelden und ihrem Mann in der Arbeit einen organisatorischen Besuch abzustatten, wo man schonmal in Castets war, wie jeden Tag zweimal. Hilflos und verwirrt saß ich also brav schweigend im Auto und wurde von A nach F gefahren.
Aufgrund der trotz allem dadurch gewonnenen Freizeit bestieg ich das Pferd ( im Französischen heißt es "monter", also besteigen). Was auch immer mit mir los war, ich war grottenschlecht. Vielleicht lag es an den Anstrengungen im Speziellen oder der Umstellung im Allgemeinen, aber ich schaffte es einfach nicht, ruhig sitzen zu bleiben. Klar, dass Kawa da verwirrt war und nicht auf meine Hilfen reagieren konnte. Der Fehler liegt immer beim Reiter.
Nach dem Mittagessen mit Francois auf der Terrasse schnappte ich mir die gebisslose Trense und ein Leckerli für Folie und ließ mich von ihr gemütlich im Schritt durch den Wald tragen. Das halb wilde Shetlandpony Dragon folgte wie immer mit großem Abstand. Da er jedoch fand, das Gras auf der anderen Seite sei saftiger, musste ich ihn anschließend recht unsanft aus Nachbars Garten entfernen.
Flore und Maud kamen um 5 nach Hause, wo bereits die obligatorischen Kekse und der Orangensaft auf sie warteten. Anschließend überzeugte ich sie davon, dass ein gemütlicher Spaziergang mit Pony viel angenehmer sei als Sportunterricht zu spielen.
Da B. für eine Veranstaltung ihrer ältesten Tochter nach Bordeaux gefahren war, war ich den gesamten Abend über mit den Mädels alleine zu Haus. Ausnahmsweise, da morgen schulfreier Mittwoch ist, durften sie eine DVD ansehen. Wir sahen einen WaltDisney-Weihnachtsfilm mit sprechenden Hunden. Zuckersüß. Passenderweise begann auch Olà draußen Krawall zu schlagen. Neugierig wie ich bin wollte ich natürlich wissen weshalb sie so bellte, doch als ich hinaussah war dort nichts zu sehen. Kein Fremder, kein Wildschwein, nur Wald und Pferdekoppeln. Offensichtlich sieht Olà jetzt Gespenster.
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