Um mir den in Lafont vorherrschenden hohen Grad an Ländlichkeit direkt unverblümt zu demonstrieren bog Bérangère (die Mutter, im Folgenden mit B. abgekürzt) kurzerhand mit ihrem Feldwaldundwiesen-BMW auf ebensolches ab und fuhr wilde Schlangenlinien über das Stoppelfeld. Wie sich später herausstellte wollte sie mir eigentlich die Chévreuils ( Rehe) zeigen, die dort um diese Uhrzeit normalerweise ihre Nachtruhe genießen.
Als wir ankamen wurde ich überschwänglich von Olà, der großen weißen Pyrenäen-Hündin begrüßt. Wir waren sofort dicke Freunde!
Glücklicherweise hatte ich länger nichts gegessen. Glücklicherweise deshalb, da ich wohl sonst nach dieser Abenteuerfahrt einen eher schlechten bleibenden Eindruck im Auto hinterlassen und zum anderen ein köstliches schnell dahingezaubertes französisches Abendessen verpasst hätte.
Mein Zimmerchen ist sehr hübsch, alles ist leicht rosa und sehr liebevoll eingerichtet. Von meinem Fenster aus kann ich den von den Wildschweinen jede Nacht trotz fleißig bellender Olà aufs Neue sorgfältig durchwühlten Garten überblicken. Und der ist wirklich gigantisch, mit Pool und großer Terrasse und Wald und freilaufenden Hühnern und einem blinden Hahn, der ständig von der jungen Katze geärgert wird, und Rehen und einem wilden Pony und und und.
Freitag weckte ich gemeinsam mit B. die Kinder. Maud (8) und Flore (4) machten einen recht guten ersten Eindruck. Das Frühstück war sehr französisch, mit Tartines, Konfitüre und natürlich einem grand bol de café zum Eintunken. Hier wird alles eingetunkt. Nachdem wir die beiden zur école gebracht hatten, zeigte B. mir erstmal das gesamte Haus, was einige Zeit in Anspruch nahm. Es ist aus Holz, mit grünen Fensterläden und voller Antiquitäten. Alles ist sehr sehr hübsch und gut gepflegt. Im Wohnzimmer steht ein etwa 300 Jahre alter Schrank (sagt B.). Da ich natürlich vor allem die Pferde kennenlernen wollte, führte sie mich direkt in den Stall, der gegenüber dem Haus steht. Die Pferde Boléro, Kawa und Manne waren auf der Koppel, genauso wie die Ponys Folie und Dragon. Später durfte ich Kawa longieren, was für den Anfang schon recht gut klappte. Er kam zwar immer wieder zu mir anstatt anzutraben, aber daran arbeiten wir noch. Vielleicht habe ich mich auch undeutlich ausgedrückt.
Nachdem die Kleinen aus der Schule und die bildhübsche Eugénie (14) aus dem Internat zurück waren, wurde das Auto voll gepackt (mit Hund und Katze) und es ging ab nach Cap Ferret, wo das nagelneue Ferienhaus der Petges hoch über dem Bassin d'Arcachon steht. Dort ging es direkt ins Bett, man hatte im Dunkeln von der schönen Aussicht ohnehin nichts.
Samstag war dann Urlaub. Die ganze Familie frühstückte gemütlich und endlos lange auf der Meerblickterrasse, dann gingen wir auf den Markt. Das Wetter meinte es eher nicht so gut mit uns, aber da ich vorrausschauenderweise meine Regenjacke angezogen hatte, machte mir der Platzregen eher wenig aus. Abends musste ich dann alleine auf Flore aufpassen, da die Eltern auf einer Hochzeit eingeladen waren und Eugénie für die Schule arbeiten musste. Maud war bei den Nachbarn abgetaucht. Nachdem wir wieder und wieder Memory gespielt hatten, wollte Flore auf keinen Fall alleine schlafen. Einige dicke Krokodilstränen später war sie dann aber doch eingeschlafen und ich verbrachte den Abend mit dem Hund auf den Füßen vor dem Fernseher mit Eugénie. Die Franzosen haben genauso seltsame Zirkussendungen wie die Deutschen.
Sonntag war das Wetter großartig, stürmisch mit viel Sonne. Nach dem Frühstück machten Flore und ich mit Olà einen Strandspaziergang. Wir buddelten erst Flores Beine und dann den ganzen armen Hund ein. Olà rächte sich indem sie ihr nasses sandiges Fell schüttelte.
Zum Mittagessen gab es dann Hund. Und zwar einen uns vollkommen unbekannten Spaniel, der offenbar eine Romanze mit Olà am Laufen hatte. Olà war verliebt bis über beide Ohren, sie war wie ausgewechselt. Ihr Phlegma wich großer Spielfreude.
Um vom guten Wetter zu profitieren machten wir eine Tour im motorisierten Schlauchboot an der Dune de Pilat entlang zu einer Sandbank. Es war herrlich! Wetter und Wellen hatten sich verbündet und so waren wir schließlich alle nass bis auf die Culottes. Aber ehrlich, so viel Spaß hatte ich selten!
Den fremden Hund mussten wir sehr zu Olàs Leidwesen dann zu seinem Besitzer zurückbringen, was ohne Hundemarke nicht allzu leicht war. Ich hätte ihn gerne mitgenommen. Da das aber ja nicht ging, kehrten wir spät abends ohne ihn, jedoch mit einem Geländewagen voller schlafender Lebewesen heim nach Lafont.
1 Kommentar:
Schöööön!
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